J.P. Hölzinger Bad Nauheim

 

 

Bis 13. Januar 2013 lief die Ausstellung "Johannes Peter Hölzinger – Psychodynamische Raumstrukturen"  im DAM in Frankfurt, die dem Architekten Johannes Peter Hölzinger gewidmet ist. Das Museum hat den Nachlass des Architekten erworben, eine Arbeitsleistung. Allein sein Haus in Bad Nauheim birgt etwas verträumtes, wirkt luftig und verspielt zugleich. Ist der Rückzugspool in heimische Gefilde. Eine gewendelte Treppe führt bis hinauf aufs Dach. Bei Sonne zeichnen sich vielfältige Lichtspielereien an den Wänden ab, die durch zahlreiche zum Teil gerundete Fensteröffnungen in das Innere des Hauses fallen und eigenwillige Muster der Verträumtheit bilden.

 

Eine seltsame Verwegenheit schleicht sich ein, ist wie reine Poesie  -  das Haus steht zum Verkauf! Welcher Eigentümer möchte sich bedienen? Der Preis ist Nebensache   -   kleine Zimmer verteilen sich auf die vier Ecken des Hauses. Im Moment ist es noch seiner musealen Zuordnung bestimmt. Hölzinger hat sein Büro eingerichtet. Zeigt Modelle und Pläne an Interessierte seiner Arbeit. Hat edle Möbelstücke aufgestellt, eine alte Kommode aus Holz.


Dieses Haus braucht keine Hausnummer, weil jedes Kind seinen Weg nach Hause finden würde nur wegen der bildhaften Merkmale. Gegenüber der Straße ist eine Grünanlage, dessen Hang sich steil wie an einer Bergstraße hinauf windet. Bad Nauheim unterscheidet sich von seiner Umgebung. Selbst in dieser unscheinbaren Gegend ist jenes Wohlwollen spürbar, die sich abhebt. Nachbarorte könnten sich ruhig etwas mehr davon abschneiden. Das täte der Gewohnheit keinen Abbruch und würde so mancher Stadt aus ihrer in Beton gegossenen Kleinbürgerlichkeit heraushelfen. Doch nicht jede kann das verantworten.

 

Sei es der Bahnhofsvorbau, die Fabrikanlagen, der Schornstein aus Backstein oder die geformten Dächer an den älteren Bauten. Selbige könnten das Werk eines Henry van de Velde sein, der sich auf einem Zweig niedergelassen hat und Kraft seiner Einbildung der Natur frönt, die er sich auf so unvergleichliche Weise zu eigen gemacht hat. Auch Hölzinger versteht sich als bildender Künstler. Er schafft Bauten, die mehr sein wollen als nur aufgehäufter Bauklotz.

 

Es sind die leisen Töne der Poesie, die an diesem Bau ziselieren. Klänge wie auf einer gestrichenen Violine, die sich aufrichtet um als weißes standhaftes Haus zu erstrahlen  -  wer darin wohnt, weiß niemand. Bisher hat sich kein Käufer gefunden  -  öffentliche Förderung wäre eine Alternative, dann hätten vielleicht viele Besucher Zugang in das Innere. Dann fänden sich zugehörige Apps, die zum Zielort führen. Es gäbe jedoch Menschenströme, die nicht ohne weiteres verkraftbar wären. Ein feststehender Plan besteht nicht, waren die letzten Auskünfte zum Haus in Bad Nauheim. Ein Lebenswerk.

 

 www.dam-online.de

 


Johannes Peter Hölzinger gehört zu den konsequentesten und eigenwilligsten Entwerfern seiner Generation. Der 1936 in Bad Nauheim geborene Architekt studierte an der Städelschule in Frankfurt a. M. Nach einer ersten, am Spätwerk Le Corbusiers geschulten, skulpturalen Werkphase begann er bald in seiner Arbeit eine über den reinen architektonischen Entwurf hinausgehende interdisziplinäre Erweiterung anzustreben. Die Integration von Architektur und bildender Kunst war der Leitgedanke der von 1965-1982 bestehenden Werkgemeinschaft mit dem Zero-Künstler Hermann Goepfert.


Ab den achtziger Jahren entstand die Werkgruppe der Erdreliefs, einer Zwischenform aus Architektur und Landschaft. Hölzinger bezog hier den Erdkörper in seine Projekte mit ein, reagierte damit aber auch auf die immer bedrohlicher erscheinende Umweltsituation.

 

Im vergangenen Jahr feierte Johannes Peter Hölzinger seinen 75. Geburtstag. In einem Vorlass hat er dem Deutschen Architekturmuseum seinen umfangreichen Bestand an Skizzen, Zeichnungen, Modellen und Skulpturen übergeben.

 

Die Ausstellung findet im Rahmen der DAM Reihe "Architekten Rhein-Main" statt, die 2011 mit "schneider+schumacher" gestartet wurde und im kommenden Jahr mit Bollinger+Grohmann fortgesetzt wird.

 

Zur Ausstellung erscheint in der Edition Axel Menges die umfassende Werkdarstellung "Johannes Peter Hölzinger. Psychodynamische Raumstrukturen. Ein Werkbuch." mit 400 Seiten, deutsch\ englisch.


 

http://vg02.met.vgwort.de/na/2ad8c0770b4e426cbe73ce40379b3e77

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